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01.06.26

Wie Onlinebetrug ein ganzes Leben verändert: Eindrückliche VSL-Veranstaltung rüttelt auf

Der finanzielle Ruin ist das eine, die psychische Belastung das andere. Ruth Van de Gaer Sturzenegger verlor durch Onlinebetrug rund eine Million Franken. Lange Zeit war die Tat für sie mit tiefer Scham besetzt. Heute bricht sie das Schweigen, um andere zu warnen. Als Gastreferentin bei der jüngsten VSL-Veranstaltung schilderte sie eindrücklich ihr Schicksal und bewegte das Publikum.

«Dass man Geld verliert, ist schon schlimm genug. Was es aber mit einem macht, ist viel schlimmer», schilderte sie. Zuvor sei sie selbstständig gewesen, habe ihr Leben im Griff gehabt und gerade in Finanzfragen immer alles genauestens hinterfragt. «Als ich bemerkte, dass ich betrogen werde, war es zu spät. Das Geld war weg. Meine Existenz gefährdet.»

Täglicher Abwehrkampf hinter den Banken-Servern

Den Auftakt des Abends machte Marc Wettering, Cyber-Security-Experte bei der Bank Frick. Er verdeutlichte die schiere Dimension der Bedrohung im digitalen Raum: Allein die Firewall der Bank Frick wehrt täglich mehr als acht Millionen Angriffe auf die eigenen Server sowie rund 60'000 gezielte Webangriffe ab. Die Banken investieren massiv in die Sicherheit ihrer Systeme, doch Wettering betonte, dass der Faktor Mensch die wichtigste Verteidigungslinie bleibe. Neben den klassischen Sicherheitsvorkehrungen – wie der exklusiven Nutzung offizieller Bank-Apps und dem Verzicht auf das Anklicken von Links in E-Mails – mahnte er zu gesundem Menschenverstand: Unrealistische Gewinnversprechen sollten grundsätzlich immer misstrauisch machen.

Kriminelle Strukturen auf Konzernniveau

Diese Verhaltensempfehlungen unterstrich auch Thomas Trefzer von der liechtensteinischen Landespolizei. Trotz intensiver Aufklärungsarbeit schnappen die Betrugsfallen im Raum Liechtenstein/Schweiz noch immer viel zu oft zu. Die jährlichen Schäden belaufen sich auf astronomische 192 Millionen Franken. Besonders perfide: Die Täter agieren extrem professionell. Laut Trefzer sind moderne Betrügerbanden teilweise wie Grosskonzerne strukturiert – inklusive eigener Abteilungen für Buchhaltung, Personalwesen und Marketing. Da die Hintermänner meist aus dem osteuropäischen Ausland agieren, gestalten sich die Ermittlungen langwierig. Bis internationale Kooperationen greifen, sind die Täter und die Gelder oft unauffindbar. Dies erkläre auch, warum selbst erfahrene Persönlichkeiten auf die Maschen hereinfallen.

Vom Opfer zur Helferin: Eine Brücke gegen die Scham

Wie professionell die Täter vorgehen, musste Ruth Van de Gaer Sturzenegger am eigenen Leib erfahren. Doch nach dem schmerzhaften Verlust hat sie ihre Erfahrung in eine positive Kraft umgewandelt. Gemeinsam mit Ayda Ergez gründete sie den Verein «The Bright You». Die Organisation bietet Opfern von Onlinebetrug eine erste Anlaufstelle und vor allem ein offenes Ohr, um das Erlebte ohne Scham auszusprechen. «Wir können weder Juristen, die Polizei noch Psychologen ersetzen. Aber wir bieten Betroffenen einen Ort, an dem sie ohne Scham über ihr Schicksal sprechen können», so die Gründerin. Über hundert Betroffene konnte der Verein bereits erfolgreich auf ihrem Weg begleiten.

Der Abend des Vereins «Sicheres Liechtenstein» machte deutlich: Der Schutz vor Cyberkriminalität ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die aus technologischer Abwehr, polizeilicher Ermittlung, staatlicher Aufklärung und vor allem gesellschaftlichem Zusammenhalt besteht.

 

Die wichtigsten Kernbotschaften der Veranstaltung im Überblick:

  • Gesunde Skepsis wahren: Wenn ein Angebot oder Gewinnversprechen zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es in der Regel ein Betrug.

  • Technische Barrieren konsequent nutzen: Nutzen Sie ausschliesslich offizielle Apps, klicken Sie niemals auf Links in SMS oder E-Mails von Banken und verwenden Sie starke, einzigartige Passwörter.

  • Enttabuisierung hilft: Wer Opfer wird, ist nicht allein. Schnelles Handeln und der Austausch im geschützten Raum (z.B. bei der Opferorganisation «The Bright You») sind entscheidende Schritte zur Bewältigung.

 

Verein Sicheres Liechtenstein

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